{"id":883,"date":"2021-09-29T10:00:00","date_gmt":"2021-09-29T08:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/lektueren-verstehen.de\/infothek\/?p=883"},"modified":"2021-09-14T08:43:45","modified_gmt":"2021-09-14T06:43:45","slug":"realismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lektueren-verstehen.de\/infothek\/literaturgeschichte\/realismus\/","title":{"rendered":"Realismus (1848-1890)"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"has-black-color has-text-color wp-block-heading\">Inhalt<\/h2>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Begriff<\/li><li>Historischer Hintergrund<\/li><li>Philosophischer Hintergrund<\/li><li>Literatur des Realismus<ul><li>Merkmale realistischer Literatur<\/li><li>Lyrik im Realismus<ul><li>Dinggedicht<\/li><li>Ballade<\/li><\/ul><\/li><li>Epik im Realismus<ul><li>Roman<ul><li>Entwicklungsroman<ul><li>Keller: <em>Der gr\u00fcne Heinrich<\/em> (1854-55\/79-80)<\/li><li>Freytag: <em>Soll und Haben<\/em> (1855)<\/li><\/ul><\/li><li>Gesellschaftsroman<ul><li>Fontane: <em>Effi Briest<\/em> (1895)<\/li><\/ul><\/li><li>Historischer Roman<ul><li>Fontane: <em>Vor dem Sturm. Roman aus dem Winter 1812 auf 13<\/em> (1878)<\/li><\/ul><\/li><\/ul><\/li><li>Novelle<ul><li>Keller: <em>Romeo und Julia auf dem Dorfe<\/em> (<em>Die Leute von Seldwyla<\/em>, 1856)<\/li><li>Keller: <em>Kleider machen Leute<\/em> (<em>Die Leute von Seldwyla<\/em>, 1874)<\/li><li>Storm: <em>Der Schimmelreiter<\/em> (1888)<\/li><\/ul><\/li><li>Dorfgeschichten<\/li><li>Reiseliteratur<\/li><\/ul><\/li><li>Realistisches Drama<\/li><\/ul><\/li><li>Literarische Formen<\/li><li>Vertreter<\/li><li>Werke<\/li><li>Zusammenfassung<\/li><\/ul>\n\n\n\n<h2 class=\"has-black-color has-text-color wp-block-heading\">Begriff<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color\">Realismus ist abgeleitet von lat. <em>res<\/em> &#8211; Ding, Sache, Wirklichkeit. Der Realismusbegriff ist \u00e4u\u00dferst vielschichtig und mehrdeutig. So tritt er in der Literatur z.B. als Stilmerkmal, in Form eines kritischen Realismus&#8216; und sozialistischen Realismus&#8216;, oder als Bezeichnung f\u00fcr eine Literaturperiode, als poetischer Realismus, auf.<br>Der Begriff des poetischen Realismus&#8216; wurde von Otto Ludwig 1871 auf den deutschen Realismus der 2. H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts angewandt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color\">Der kritische Realismus ist ein Gegenbegriff zu Str\u00f6mungen des beginnenden 20. Jahrhunderts wie z.B. der Expressionismus, dem sich Autoren wie D\u00f6blin oder H. Mann verschrieben. Diese Form des Realismus wird als &#8222;kritisch&#8220; bezeichnet, da die Sozialkritik an der Gesellschaft deutlicher zum Ausdruck kam, als im poetischen Realismus.<br>Der Begriff sozialistischer Realismus ist eine Bezeichnung f\u00fcr eine Methode, die von Autoren angewandt wurde zur Darstellung der Realit\u00e4t, die im Einklang mit dem Sozialismus einhergehen sollte. Beabsichtigt war eine Erziehung des Lesers zum Sozialismus. Ausgehend von den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts in der UdSSR wurde der sozialistische Realismus bald in vielen sozialistischen L\u00e4ndern zur vorgeschriebenen Methode in der Literatur, so auch ab den 50er Jahren in der DDR.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"has-black-color has-text-color wp-block-heading\">Historischer Hintergrund<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color\">Ausgel\u00f6st durch die Februarrevolution 1848 in Frankreich, begann im folgenden Monat in Wien, Berlin und anderen Staaten des Deutschen Bundes die sogenannte M\u00e4rzrevolution. Am 18. Mai 1848 tagte in der Frankfurter Paulskirche das erste deutsche Nationalparlament und arbeitete eine Verfassung aus. Im M\u00e4rz 1849 lehnte der preu\u00dfische K\u00f6nig Friedrich Wilhelm IV. die ihm vom Parlament angebotene Kaiserw\u00fcrde ab. Das Parlament wurde vom Milit\u00e4r aufgel\u00f6st, Aufst\u00e4nde in einzelnen Kleinstaaten blutig niedergeschlagen. Damit war das Scheitern der Nationalversammlung besiegelt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color\">1861 wurde Wilhelm I. K\u00f6nig von Preu\u00dfen, 1862 Otto von Bismarck preu\u00dfischer Ministerpr\u00e4sident. 1864 kam es zum Deutsch-d\u00e4nischen Krieg, in dem die ehemaligen d\u00e4nischen Herzogt\u00fcmer Schleswig und Holstein an die Siegerm\u00e4chte Preu\u00dfen und \u00d6sterreich abgetreten wurden. Im Streit um die deutsche Hegemonie begann 1866 der Preu\u00dfisch-\u00d6sterreichische Krieg, der zugunsten der Preu\u00dfen entschieden wurde und die Aufl\u00f6sung des Deutschen Bundes zur Folge hatte. 1867 wurde der Norddeutsche Bund gegr\u00fcndet. Zwischen 1870 bis 1871 fand der Deutsch-franz\u00f6sische Krieg, der durch die Emser Depesche von deutscher Seite gegen\u00fcber Frankreich provoziert wurde, statt. Bismarck war durch ein vorher geschlossenes B\u00fcndnis mit dem Norddeutschen Bund und s\u00fcddeutschen Staaten gest\u00e4rkt. Die deutschen Staaten f\u00fcgten Frankreich zwei schwere Niederlagen zu, nach denen es kapitulierte. Die restlichen s\u00fcddeutschen Staaten traten nun dem Norddeutschen Bund bei. Am 18. Januar 1871 kam es in Versailles zur Reichsproklamation. Damit wurde die deutsche Einheit vollendet. Der preu\u00dfische K\u00f6nig wurde zum deutschen Kaiser, Bismarck zum Reichskanzler. Da die Reichseinigung nur durch einige Kriege zustande kam, spricht man von einer &#8222;Blut- und Eisenpolitik&#8220; Bismarcks.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color\">Die Innenpolitik des Deutschen Reichs wurde vor allem durch die sogenannte &#8222;Zuckerbrot- und Peitschenpolitik&#8220; Bismarcks bestimmt. Mit der &#8222;Zuckerbrotpolitik&#8220; meint man die Schaffung der Sozialgesetze, um die durch Industrialisierung und Wirtschaftskrise versch\u00e4rften sozialen Gegens\u00e4tze zu bek\u00e4mpfen. Die &#8222;Peitschenpolitik&#8220; bezeichnet vor allem Bismarcks Streit mit den liberalen Parteien und den Sozialdemokraten, der im sogenannten &#8222;Gesetz gegen die gemeingef\u00e4hrlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie&#8220; 1878 gipfelte. Eine entscheidende Rolle spielte auch der Kulturkampf zwischen Staat und Kirche von 1871 bis 1878, der durch die Kampfgesetze des Staates (Kanzelparagraph, Schulaufsichtsgesetz, Verbot der Jesuitenorden, Maigesetze, Brotkorbgesetze, Klostergesetz, Expatriierungsgesetz) entschieden wurde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color\">Bismarck strebte nach der Reichsgr\u00fcndung eine friedliche Au\u00dfenpolitik mit der Isolation Frankreichs an, die sich in seiner B\u00fcndnispolitik zeigt. 1873 kam es zum Dreikaiserabkommen zwischen Deutschland, Russland und \u00d6sterreich-Ungarn. 1879 entstand der Zweibund zwischen Deutschland und \u00d6sterreich, der 1882 zum Dreibund mit Italien erweitert wurde. Nach Konflikten zwischen Russland und \u00d6sterreich-Ungarn scheiterte die Dreikaiserpolitik. 1887 ging das Deutsche Reich mit Russland einen R\u00fcckversicherungsvertrag ein. Mit Bismarcks R\u00fccktritt 1890 setze in der deutschen Au\u00dfenpolitik unter Wilhelm II. ein Kurswechsel zu Aufr\u00fcstung und Kolonialpolitik ein.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"has-black-color has-text-color wp-block-heading\">Philosophischer Hintergrund<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color\">Die Philosophie der 2. H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts war stark gepr\u00e4gt vom Positivismus und dem historischen Materialismus. Positivisten vertraten die Meinung, dass Erkenntnis nur aus empirischer Beobachtung der Natur und aus Erfahrung abgeleitet werden k\u00f6nne. Die Hauptvertreter dieser Richtung waren Auguste Comte (1798-1857) und Hippolyte Taine (1828-1893). 1848 wurde das <em>Kommunistische Manifest<\/em> von Marx und Engels ver\u00f6ffentlicht. Der historische Materialismus, z.B. von K. Marx (1818-1883) oder L. Feuerbach (1804-1872) vertreten, betrachtet die gesellschaftliche Entwicklung des Menschen materialistisch. Wichtig ist dabei, dass das Sein \u00fcber das Bewusstsein dominiert.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"has-black-color has-text-color wp-block-heading\">Literatur des Realismus<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color\">Diskussionen \u00fcber Inhalte und Formen von Literatur fanden haupts\u00e4chlich in literarischen Zirkeln, wie z.B. in dem 1827 gegr\u00fcndeten <em>Tunnel \u00fcber der Spree<\/em> in Berlin, statt, als in einer breiten \u00d6ffentlichkeit.<br>Da viele Autoren auf den Druck ihrer Werke zwecks Sicherung ihres Lebensunterhalts angewiesen waren, sank dadurch h\u00e4ufig das Niveau des literarischen Gehalts. Literarische Werke, die gesellschaftliche Verh\u00e4ltnisse realistisch darstellen, wurden von vielen Redakteuren abgewiesen, da das Publikum sich mehr f\u00fcr Unterhaltung und Ablenkung von der Wirklichkeit interessierte. Daher ist in vielen Texten des Realismus keine Kritik an den sozialen Missverh\u00e4ltnissen der Gesellschaft zu finden. Es bleibt die Frage, worin realistische Autoren ihre Aufgaben sahen, da sie h\u00e4ufig einfache Menschen zum Gegenstand ihrer Werke machten. G. Freytag hatte in seinen Romanen, so z.B. in <em>Soll und Haben<\/em> (1855), das Ziel, das B\u00fcrgertum zu idealisieren.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"has-black-color has-text-color wp-block-heading\">Merkmale realistischer Literatur<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color\">Realistische Literatur durfte nicht blo\u00df eine Wiedergabe der Wirklichkeit sein, sondern musste mit literarischen Mitteln die Realit\u00e4t verarbeiten. Die Dichter des Realismus kombinierten dabei eine genaue Realit\u00e4tsbeschreibung mit einer subjektiven Erz\u00e4hlhandlung. H\u00e4ufig wurde die Wirklichkeit mit Humor und Ironie verkl\u00e4rt. Ein weiteres Merkmal ist die formale, inhaltliche und stoffliche Einfachheit in oft breiter Ausgestaltung. Auf drastische Stilmittel wurde weitestgehend verzichtet. Durch eine harmonische Verbindung der inneren und \u00e4u\u00dferen R\u00e4umlichkeiten in vielen Werken und durch die breite Ausgestaltung wurde beim Leser der Eindruck der Realit\u00e4t und die unmittelbare Anteilnahme daran erweckt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color\">In <a href=\"https:\/\/lektueren-verstehen.de\/infothek\/autorenportraets\/theodor-fontane\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Fontanes<\/a> Aufsatz <em>Unsere lyrische und epische Poesie seit 1848<\/em> von 1853 gibt er folgende Definition zum Realismus: &#8222;Er ist die Widerspiegelung alles wirklichen Lebens, aller wahren Kr\u00e4fte und Interessen im Elemente der Kunst, er ist, wenn man uns diese scherzhafte Wendung verzeiht, eine <em>Interessenvertretung<\/em> auf seine Art. Er umf\u00e4ngt das ganze reiche Leben, das Gr\u00f6\u00dfte wie das Kleinste, den Kolumbus, der der Welt eine neue zum Geschenk machte, und das Wassertierchen, dessen Weltall der Tropfen ist, den h\u00f6chsten Gedanken, die tiefste Empfindung zieht er in sein Bereich, und die Gr\u00fcbeleien eines Goethe wie Lust und Leid eines Gretchen sind sein Stoff. Denn alles das ist wirklich. Der Realismus will nicht die blo\u00dfe Sinnenwelt und nichts als diese, er will am aller wenigsten das blo\u00df Handgreifliche, aber er will das Wahre. Er schlie\u00dft nichts aus als die L\u00fcge, das Forcierte, das Nebelhafte, das Abgestorbene &#8211; vier Dinge, mit denen wir glauben, eine ganze Literaturepoche bezeichnet zu haben.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"has-black-color has-text-color wp-block-heading\">Lyrik im Realismus<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color\">Nach 1848 setzte im <em>Grenzboten<\/em> eine heftige Kritik an der Metaphern\u00fcberladenheit der Restaurationslyrik, wie sie z.B. teilweise in den Gedichten <a href=\"https:\/\/lektueren-verstehen.de\/infothek\/autorenportraets\/annette-freiin-von-droste-huelshoff\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Droste-H\u00fclshoffs<\/a> zu finden ist, ein, um der Entfernung der Lyriksprache von der Alltagssprache entgegenzuwirken. Dies zeigt sich z.B. in Hebbels Gedichten <em>Ich und Du<\/em> (1843), <em>Ein Bild aus Reichenau<\/em> (1848), <em>Herbstbild<\/em> (1852) und <em>Liebesprobe<\/em> (1854).<br>Die Lyriker im Realismus wollten in ihren Gedichten nicht etwas Realistisches darstellen, sondern eine poetische Welt zur Realit\u00e4t schaffen. Bedeutende deutschsprachige Lyriker im Realismus waren Storm, <a href=\"https:\/\/lektueren-verstehen.de\/infothek\/autorenportraets\/theodor-fontane\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Fontane<\/a>, Meyer, Keller und Ferdinand von Saar. Die lyrischen Werke dieser Autoren treten heute oft in den Schatten ihrer epischen Werke oder geraten fast in Vergessenheit.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Wir tr\u00e4umten voneinander<br>Und sind davon erwacht,<br>Wir leben, um uns zu lieben,<br>Und sinken zur\u00fcck in die Nacht.<br><br>Du tratst aus meinem Traume,<br>Aus deinem trat ich hervor,<br>Wir sterben, wenn sich eines<br>Im andern ganz verlor.<br><br>Auf einer Lilie zittern<br>Zwei Tropfen, rein und rund,<br>Zerflie\u00dfen in eins und rollen<br>Hinab in des Kelches Grund.<\/p><cite>Hebbel &#8211; Ich und Du (1843)<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<h4 class=\"has-black-color has-text-color wp-block-heading\">Dinggedicht<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color\">C. F. Meyer verband in seinen Gedichten (<em>Der r\u00f6mische Brunnen<\/em>, <em>Zwei Segel<\/em>, <em>Der sch\u00f6ne Tag<\/em>, <em>Auf dem Canal Grande<\/em>) eine genaue Sinnliche Darstellung der Wirklichkeit mit einer symbolischen und subjektiven Deutung. Solche Gedichte werden auch Dinggedichte bezeichnet und treten z.B. auch sp\u00e4ter bei Rilke h\u00e4ufig auf. Charakteristisch f\u00fcr sie ist, dass das Ding objektiv und distanziert betrachtet wird und alles Unwesentliche dabei vernachl\u00e4ssigt wird.<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Aufsteigt der Strahl und fallend gie\u00dft<br>Er voll der Marmorschale Rund,<br>Die, sich verschleiernd, \u00fcberflie\u00dft<br>In einer zweiten Schale Grund;<br>Die zweite gibt, sie wird zu reich,<br>Der dritten wallend ihre Flut,<br>Und jede nimmt und gibt zugleich<br>Und str\u00f6mt und ruht.<\/p><cite>C. F. Meyer &#8211; Der r\u00f6mische Brunnen<\/cite><\/blockquote>\n\n\n\n<h4 class=\"has-black-color has-text-color wp-block-heading\">Ballade<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color\">Kritik an den sozialen Missst\u00e4nden der Gesellschaft ist auch in den Balladen vergebens zu suchen. Stattdessen steht oftmals ein Held im Mittelpunkt, der sich nicht f\u00fcr gesellschaftliche Ver\u00e4nderungen, sondern sich f\u00fcr die Erhaltung bestehender Verh\u00e4ltnisse einsetzt. Dies zeigt sich z.B. in der Opferbereitschaft des Steuermanns in <a href=\"https:\/\/lektueren-verstehen.de\/infothek\/autorenportraets\/theodor-fontane\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Fontanes<\/a> <em><a href=\"https:\/\/www.bange-verlag.de\/john-maynard-1886\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">John Maynard<\/a><\/em>. Der Ausschnitt aus der Wirklichkeit ist sehr klein und auf die Ursache f\u00fcr den Feuerausbruch auf dem Schiff gibt es keinen Hinweis.<br>Im Realismus sind auch viele historische Balladen entstanden, in denen weniger gro\u00dfe Helden und ihre Taten als vielmehr unbedeutende Personen mit gro\u00dfer Willensst\u00e4rke im Mittelpunkt standen. Balladen von solchem Typus sind zahlreich bei C. F. Meyer zu finden, z.B. <em>Die F\u00fc\u00dfe im Feuer<\/em>, <em>Bettlerballade<\/em>, <em>Mit zwei Worten<\/em>, <em>Der gleitende Purpur<\/em> aber auch bei Fontane, z.B. <em>Herr Ribbeck auf Ribbeck im Havelland<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"has-black-color has-text-color wp-block-heading\">Epik im Realismus<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color\">1855 erschien Gustav Freytags Roman <em>Soll und Haben<\/em>, der zum Vorbild f\u00fcr die ganze Epoche wurde. Einer der wichtigsten Vertreter der Epik im Realismus war <a href=\"https:\/\/lektueren-verstehen.de\/infothek\/autorenportraets\/theodor-fontane\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Fontane<\/a>. Seine ersten Werke waren zun\u00e4chst noch frei von Gesellschaftskritik oder Aufkl\u00e4rung bestehender Missverh\u00e4ltnisse, diese kamen erst in seinen sp\u00e4teren Werken, meist aber versteckt, zum Ausdruck.<br>Die Novelle fand in der Zeit des Realismus ihren H\u00f6hepunkt. Es entstanden zahlreiche Novellenzyklen und Novellen, wie in noch keiner anderen Epoche zuvor. Noch heute sehr bekannt ist z.B. Kellers Novellenzyklus <em>Die Leute von Seldwyla<\/em> oder Storms Novellen <em>Der Schimmelreiter<\/em> und <em>Immensee<\/em>. Aber auch viele andere Autoren waren als Novellisten t\u00e4tig, so z.B. C. F. Meyer, A. Stifter, <a href=\"https:\/\/lektueren-verstehen.de\/infothek\/autorenportraets\/theodor-fontane\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Th. Fontane<\/a>, J. Gotthelf, F. Grillparzer, W. Raabe, Ferdinand v. Saar und Marie von Ebner-Eschenbach.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"has-black-color has-text-color wp-block-heading\">Roman<\/h4>\n\n\n\n<h5 class=\"has-black-color has-text-color wp-block-heading\">Entwicklungsroman<\/h5>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color\">Auf zwei unterschiedliche Weisen wurde die Wirklichkeit der b\u00fcrgerlichen Welt in den Entwicklungsromanen des Realismus gezeigt: in einer optimistischen und in einer pessimistischen Darstellung. Kellers <em>Gr\u00fcner Heinrich<\/em> und Freytags <em>Soll und Haben<\/em> stehen beispielhaft f\u00fcr viele andere Romane von diesem Typus.<\/p>\n\n\n\n<h6 class=\"has-black-color has-text-color wp-block-heading\">Keller: <em>Der gr\u00fcne Heinrich<\/em> (1854-55\/79-80)<\/h6>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color\">1854 bis 1855 erschien die erste Fassung des <em>Gr\u00fcnen Heinrichs<\/em> von Keller. Bei der Entwicklung des Helden Heinrich Lee zeigt er deutlich das Scheitern des K\u00fcnstlers, der als Au\u00dfenseiter endet. Entt\u00e4uscht von der Liebe und mitgenommen vom Tod seiner Mutter findet er schlie\u00dflich selbst den Tod. In der zweiten Fassung von 1879\/80 wird der Roman stark ver\u00e4ndert. Nicht mehr der Tod, sondern Resignation kommt am Ende des Romans \u00fcber Heinrich. Das Scheitern des K\u00fcnstlers wird in beiden Fassungen nicht nur als selbstverschuldet hingestellt. Auch Heinrichs Umfeld und die Gesellschaft hat einen Anteil dazu beigetragen. Keller bringt im <em>Gr\u00fcnen Heinrich<\/em> eine pessimistische Weltanschauung zum Ausdruck.<\/p>\n\n\n\n<h6 class=\"has-black-color has-text-color wp-block-heading\">Freytag: <em>Soll und Haben <\/em>(1855)<\/h6>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color\">Im Roman <em>Soll und Haben<\/em> entwickelt Freytag sein Ideal des B\u00fcrgertums im Helden Anton Wohlfahrt, der sich, trotz Fehler und R\u00fcckschl\u00e4ge, gegen\u00fcber dem Adel und Judentum durchsetzen kann. Adel und Judentum werden als Gegenbilder des B\u00fcrgertums gezeigt, die sich in der Welt nicht durchsetzen k\u00f6nnen. Damit wurde aber nicht die Wirklichkeit des B\u00fcrgertums dargestellt, sondern eine Idealisierung vorgenommen, die einen optimistischen Ausblick gibt.<\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"has-black-color has-text-color wp-block-heading\">Gesellschaftsroman<\/h5>\n\n\n\n<h6 class=\"has-black-color has-text-color wp-block-heading\">Fontane: Effi Briest (1895)<\/h6>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color\">In <em>Effi Briest<\/em> \u00fcbte Fontane, wenn auch verhalten, Kritik an den Konventionen und Normen der preu\u00dfischen Gesellschaft und ihrem Ehrenkodex und zeigt die Unf\u00e4higkeit des Adels ihr zu entkommen. Der Roman basiert auf einer wahren Begebenheit aus dem Jahr 1886, bei der sich ein preu\u00dfischer Offizier mit einem Amtsrichter um eine Liebesaff\u00e4re dessen mit seiner Frau duellierte. Der Roman tr\u00e4gt den Titel seiner Hauptfigur, Effi Briest, deren Eltern Vertreter des reichen Landadels sind. Sie heiratet den \u00fcber 20 Jahre \u00e4lteren Baron von Instetten auf Rat ihrer Eltern, ohne zu wissen, was auf sie zukommt. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color\">Von ihrem Mann oft allein gelassen, wird sie von ihrem bisherigen Leben zunehmend gelangweilt. Auch die Geburt ihrer Tochter kann nicht viel an der Situation \u00e4ndern. Einzig die kurze Liebesbeziehung mit dem Bezirkskommandanten Crampas bringt ihr etwas Abwechslung. Als Instetten versetzt wird, finde die Liebesbeziehung ein Ende. Nach einigen Jahren findet Instetten aber die Briefe von Crampas, die er an Effi schrieb. Um die Verletzung seiner Ehre zu bereinigen und sein Ansehen wiederherzustellen, fordert er Crampas zu einem Duell, wobei dieser stirbt. Danach kommt es zur Scheidung von Effi, die Tochter bleibt beim Vater. Nach einem Wiedersehen Effis mit ihrer Tochter, die sie nicht mehr als ihre Mutter erkannte, bricht Effi zusammen. Ihre Eltern nehmen die im Sterben liegende Effi bei sich wieder auf, die nach kurzer Zeit schlie\u00dflich stirbt. Die Handlung des Romans wird ruhig und kritiklos erz\u00e4hlt. Die Frage nach der Schuld am Tode Effis wird nicht direkt gestellt.<\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"has-black-color has-text-color wp-block-heading\">Historischer Roman<\/h5>\n\n\n\n<h6 class=\"has-black-color has-text-color wp-block-heading\">Fontane: Vor dem Sturm. Roman aus dem Winter 1812 auf 13 (1878)<\/h6>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color\"><em>Vor dem Sturm<\/em> war Fontanes erster Roman und sollte ein Gesellschaftsbild vor den Befreiungskriegen gegen Napoleon geben. Der wichtigste Handlungsstrang besch\u00e4ftigt sich mit der Hauptfigur Lewin von Vitzewitz, dessen pers\u00f6nliche Probleme von geschichtlichen Geschehnissen \u00fcberlagert werden, wobei er einmal nur sehr knapp dem Tode entrinnen konnte. Schauplatz der Handlung ist meist das Schloss Hohen-Vietz, neben Schloss Guse und Alt-Berlin. Der historische Roman <em>Vor dem Sturm<\/em> zeichnet sich durch eine Vermischung von Geschichtlichem mit Privatem sowie vielen Informationen \u00fcber das b\u00e4uerliche, b\u00fcrgerliche und adlige Milieu aus.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"has-black-color has-text-color wp-block-heading\">Novelle<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color\">Die wichtigsten Novellendichter im Realismus waren Keller (<em><a href=\"https:\/\/lektueren-verstehen.de\/gottfried+keller\/romeo+und+julia+auf+dem+dorfe\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Romeo und Julia auf dem Dorfe<\/a><\/em>, <em>Kleider machen Leute<\/em>), Meyer (<em>Der Schu\u00df von der Kanzel<\/em>), Storm (<em>Der Schimmelreiter<\/em>, <em>Immensee<\/em>), Fontane (<em>Schach von Wuthenow<\/em>), Stifter (<em>Der Hochwald<\/em>), Raabe (<em>Zum wilden Mann<\/em>), Gotthelf (<em>Die schwarze Spinne<\/em>), Grillparzer (<em>Der arme Spielmann<\/em>), M. von Ebner-Eschenbach (<em>Das Sch\u00e4dliche<\/em>), F. von Saar (<em>Ginevra<\/em>) und Heyse (<em>L&#8216; Arrabbiata<\/em>).<br>Die bekanntesten Novellen Kellers erschienen im Novellenzyklus <em>Die Leute von Seldwyla<\/em>. <em><a href=\"https:\/\/lektueren-verstehen.de\/gottfried+keller\/romeo+und+julia+auf+dem+dorfe\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Romeo und Julia auf dem Dorfe<\/a><\/em> erschien im ersten Band 1856, <em>Kleider machen Leute<\/em> im zweiten Band 1874. C. F. Meyer konnte mit seinen Novellen ebenso viel Ansehen erringen, wie sein Landsmann Keller. Mit etwa 80 Novellen, darunter <em>Der Schimmelreiter<\/em>, <em>Immensee<\/em>, <em>Ein Doppelg\u00e4nger<\/em>, <em>Pole Poppensp\u00e4ler<\/em>, <em>Aquis submersus<\/em> u.a. schuf Storm die meisten deutschsprachigen Novellen im Realismus.<\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"has-black-color has-text-color wp-block-heading\">Keller: <a href=\"https:\/\/lektueren-verstehen.de\/gottfried+keller\/romeo+und+julia+auf+dem+dorfe\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Romeo und Julia auf dem Dorfe<\/a> (Die Leute von Seldwyla, 1856)<\/h5>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color\">Die Thematik dieser Novelle ist an Shakespeares Drama <em><a href=\"https:\/\/lektueren-verstehen.de\/william+shakespeare\/romeo+and+juliet\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Romeo und Julia<\/a><\/em> angelehnt und auf das Dorfleben \u00fcbertragen. Die Freundschaft zwischen den Bauern Manz und Marti wandelt sich rasch zu Feindschaft. Die Kinder der verfeindeten Bauern, Sali und Vrenchen, schlie\u00dfen aber Freundschaft und finden auch bald Zuneigung zueinander. Ihre Liebe leben sie an einem Tag aus, da sie in der d\u00f6rflichen Gemeinschaft keine Zukunft h\u00e4tte. Ehrlos, nur um des Lebens willen, wollen sie nicht weiterleben und begehen darauf Selbstmord.<\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"has-black-color has-text-color wp-block-heading\">Keller: Kleider machen Leute (Die Leute von Seldwyla, 1874)<\/h5>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color\">Durch ein Missverst\u00e4ndnis wird der Schneidergeselle Wenzel Strapinski bei einer seiner Wanderungen in einem Nachbardorf als Graf empfangen. Strapinski, der aus Furcht seine wahre Identit\u00e4t nicht preisgeben kann, geht auf dieses Missverst\u00e4ndnis ein, an dem er nicht allein schuldig war und spielt mit. Auf einem Ball kommt es zur Entlarvung und Flucht Strapinskis. Einzig seine Geliebte, Nettchen, folgt und unterst\u00fctzt ihn weiterhin und heiratet ihn trotz des Unmutes vieler B\u00fcrger, da sie seine Unschuld an dem Vorfall erkannt hatte.<\/p>\n\n\n\n<h5 class=\"has-black-color has-text-color wp-block-heading\">Storm: Der Schimmelreiter (1888)<\/h5>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color\">Die Novelle zeichnet sich durch eine Vermischung von Mystischem, Unerkl\u00e4rbarem mit dem technischen Verst\u00e4ndnissen des Deichbaus aus und verweist auf die Gefahren des Fortschritts.<br>Hauke Haien, ein technisch-begabter Knecht eines Deichgrafen, widmete seine Arbeit und Zeit dem Deichbau. Nach dem Tod des Grafen, heiratete er dessen Tochter und wurde selber zum Deichgrafen. Gegen\u00fcber den anderen Dorfbewohnern fasste er den Plan, einen neuen Deich zu bauen, in dem er alle seine Kr\u00e4fte steckte und dabei seine Familie vernachl\u00e4ssigte. Doch nach einiger Zeit lie\u00dfen seine Arbeitsbem\u00fchungen nach. Eine schwere Sturmflut brachte den Deich zum Einsturz und riss Haukes Familie und ihn selbst in den Tod.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"has-black-color has-text-color wp-block-heading\">Dorfgeschichten<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color\">In der zweiten H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts erlangten die Dorfgeschichten ein erstaunlich gro\u00dfes Ansehen. Dies kam daher, da sich die Autoren der Dorfgeschichten stark an Idyllen anlehnten. Der Gegensatz Dorf &#8211; Stadt wurde h\u00e4ufig thematisiert, wobei das Dorfleben weitestgehend idealisiert wurde. Probleme des Dorflebens wurden nicht dargestellt. Auch fand die Thematik Fortschrittsangst und Flucht in Natur oder Heimat Eingang in viele Dorfgeschichten. Das Anliegen der Dorfgeschichten war h\u00e4ufig die Erziehung des Lesers zum Ideal der zwischenmenschlichen Beziehungen des Dorflebens. Einer der erfolgreichsten Autoren von Dorfgeschichten seiner Zeit war Berthold Auerbach mit seinen <em>Schwarzw\u00e4lder Dorfgeschichten<\/em> (1843-54). Autoren weiterer Dorfgeschichten sind z.B. J. Gotthelf, M. von Ebner-Eschenbach, P. Rosegger und L. Anzengruber.<br>Storm, Keller und Stifter lehnten eine Idealisierung des Dorflebens ab. Die Figuren ihrer Werke m\u00fcssen sich auch mit den Problemen des Dorflebens auseinandersetzen.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"has-black-color has-text-color wp-block-heading\">Reiseliteratur<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color\">Mit Heine erreichte die Reiseliteratur einen ersten H\u00f6hepunkt an kritischer Betrachtung der Gesellschaft. Schon vor dem Realismus ist die Reiseliteratur zur kritiklosen Betrachtung verkommen, die aber beim Publikum sehr beliebt war und durch die ab 1850 entstandenen Journale rasch verbreitet werden konnte. Fontanes <em>Wanderungen durch die Mark Brandenburg<\/em> (1862, 1863, 1873, 1882) wurden deshalb von einem gro\u00dfen Teil des Publikums missverstanden und nicht als Kritik aufgefasst. \u00dcber das Leben in Amerika berichtete v.a. Friedrich Gerst\u00e4cker in seinen Reiseromanen wie <em>Streif- und Jagdz\u00fcge durch die Vereinigten Staaten<\/em> (1844), <em>Die Regulatoren in Arkansas<\/em> (1846) und <em>Die Flu\u00dfpiraten des Mississippi<\/em> (1848).<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"has-black-color has-text-color wp-block-heading\">Realistisches Drama<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color\">Das Drama trat im Realismus weit hinter Epik und Lyrik zur\u00fcck. Von den Dramatikern dieser Zeit sind lediglich Hebbel, Grillparzer und Anzengruber besonders hervorgetreten und popul\u00e4r geworden.<br>F\u00fcr Hebbel sollte die Aufl\u00f6sung der Konflikte auch in den Individuen zum Ausgleich gebracht werden. Seine Vorbilder waren Kleist, Lessing und Schiller, mit denen er sich h\u00e4ufig auseinander setzte. Hebbel hatte mit seinen Werken zwar gro\u00dfe Erfolge erzielt, doch wurde er \u00f6fters missverstanden. Hebbels Dramen weisen nur wenig Individualismus auf, da er sich vor allem beim Sprechstil seiner St\u00fccke an die Tradition des Wiener Burgtheaters hielt. Dramatische Spannung wurde vor allem durch den Gegensatz Individuum &#8211; Gesellschaft erzeugt. Hebbel wollte auf der B\u00fchne keinen Realit\u00e4tsausschnitt zeigen, sondern eine k\u00fcnstlerisch geformte Welt darstellen. Bedeutende, noch heute gespielte, Dramen Hebbels sind <em>Judith<\/em> (1843), <em><a href=\"https:\/\/lektueren-verstehen.de\/friedrich+hebbel\/maria+magdalena\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Maria Magdalena<\/a><\/em> (1843) und <em>Agnes Bernauer<\/em> (1851).<br>Grillparzer wurde v.a. durch <em>Die Ahnfrau<\/em> (1817), die Dramentrilogie <em>Das goldene Vlie\u00df<\/em> (1821), <em>Weh dem, der l\u00fcgt!<\/em> (1838) und die drei posthum ver\u00f6ffentlicht und aufgef\u00fchrten Dramen <em>Die J\u00fcdin von Toledo<\/em> (1872), <em>Ein Bruderzwist in Habsburg<\/em> (1872) und <em>Libussa<\/em> (1872) ber\u00fchmt.<br>Anzengruber orientierte sich stark an Nestroy. Seine St\u00fccke greifen oft religi\u00f6se Themen auf und spielen im b\u00e4uerlichen Milieu, z.B. <em>Meineidbauern<\/em> (1871).<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"has-black-color has-text-color wp-block-heading\">Literarische Formen<\/h2>\n\n\n\n<ul class=\"has-black-color has-text-color wp-block-list\"><li><strong>Dinggedicht<\/strong><br>In einem Dinggedicht wird ein Ding objektiv und distanziert betrachtet. Alles Unwesentliche entf\u00e4llt bei der Betrachtung. Das Ding wird daher nicht nur symbolisch, sondern auch subjektiv erfasst. H\u00e4ufig werden Gegenst\u00e4nde der bildenden Kunst zum Thema eines Dinggedichtes und werden somit neugeschaffen. Dinggedichte sind z.B. bei M\u00f6rike, C.F. Meyer und Rilke zu finden.<\/li><li><strong>Entwicklungsroman<\/strong><br>Ein Entwicklungsroman zeigt den Entwicklungsprozess einer Figur, die oft zum Ideal einer Gesellschaftsschicht heranreift, in Korrespondenz mit ihrer Umwelt.<\/li><li><strong>Gesellschaftsroman<\/strong><br>Ein Gesellschaftsroman beschreibt die zeitgeschichtlichen Verh\u00e4ltnisse einer Gesellschaft genau und \u00fcbt meist Kritik an ihren Missst\u00e4nden aus.<\/li><li><strong>Historischer Roman<\/strong><br>Ein historischer Roman lehnt sich an historisch authentische Ereignisse und Personen an. Wie nah dabei die Anlehnung an die Realit\u00e4t ist, h\u00e4ngt vom jeweiligen Autor ab.<\/li><li><strong>Novelle<\/strong><\/li><li><strong>Dorfgeschichte<\/strong><br>Merkmale einer Dorfgeschichte sind Klarheit und Einfachheit, die durch Volkst\u00fcmlichkeit bewirkt werden, und eine Erz\u00e4hlperspektive aus b\u00e4uerlicher Sicht.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<h2 class=\"has-black-color has-text-color wp-block-heading\">Vertreter<\/h2>\n\n\n\n<ul class=\"has-black-color has-text-color wp-block-list\"><li>Ludwig Anzengruber (1839-1889)<\/li><li>Marie von Ebner-Eschenbach (1830-1916)<\/li><li><a href=\"https:\/\/lektueren-verstehen.de\/infothek\/autorenportraets\/theodor-fontane\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Theodor Fontane<\/a> (1819-1898)<\/li><li>Gustav Freytag (1816-1895)<\/li><li>Friedrich Gerst\u00e4cker (1816-1872)<\/li><li>Jeremias Gotthelf (1797-1854)<\/li><li>Franz Grillparzer (1791-1872)<\/li><li>Friedrich Hebbel (1813-1863)<\/li><li>Paul Heyse (1830-1914)<\/li><li>Gottfried Keller (1819-1890)<\/li><li>Otto Ludwig (1813-1865)<\/li><li>Conrad Ferdinand Meyer (1825-1898)<\/li><li>Wilhelm Raabe (1831-1910)<\/li><li>Peter Rosegger (1843-1918)<\/li><li>Ferdinand von Saar (1833-1906)<\/li><li>Adalbert Stifter (1805-1868)<\/li><li>Theodor Storm (1817-1888)<\/li><\/ul>\n\n\n\n<h2 class=\"has-black-color has-text-color wp-block-heading\">Werke<\/h2>\n\n\n\n<ul class=\"has-black-color has-text-color wp-block-list\"><li>Judith (1840) &#8211; Hebbel<\/li><li>Die schwarze Spinne (1842) &#8211; Gotthelf<\/li><li>Genoveva (1843) &#8211; Hebbel<\/li><li><a href=\"https:\/\/lektueren-verstehen.de\/friedrich+hebbel\/maria+magdalena\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Maria Magdalena<\/a> (1844) &#8211; Hebbel<\/li><li>Streif- und Jagdz\u00fcge durch die Vereinigten Staaten (1844) &#8211; Gerst\u00e4cker<\/li><li>Die Regulatoren in Arkansas (1846) &#8211; Gerst\u00e4cker<\/li><li>Gedichte (1846) &#8211; Keller<\/li><li>Die Flu\u00dfpiraten des Mississippi (1848)- Gerst\u00e4cker<\/li><li>Herodes und Mariamne (1849) &#8211; Hebbel<\/li><li>Immensee (1850) &#8211; Storm<\/li><li>Neuere Gedichte (1851) &#8211; Keller<\/li><li>Agnes Bernauer (1852) &#8211; Hebbel<\/li><li>Gedichte (1852) &#8211; Storm<\/li><li>Bunte Steine (1853) &#8211; Stifter<\/li><li>L&#8216; Arrabbiata (1854) &#8211; Heyse<\/li><li>Der gr\u00fcne Heinrich (1854\/55; 1879\/80) &#8211; Keller<\/li><li>Soll und Haben (1855) &#8211; Freytag<\/li><li>Gyges und sein Ring (1856) &#8211; Hebbel<\/li><li>Die Leute von Seldwyla (erster Band, 1856) &#8211; Keller<ul><li>Pankraz, der Schmoller<\/li><li><a href=\"https:\/\/lektueren-verstehen.de\/gottfried+keller\/romeo+und+julia+auf+dem+dorfe\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Romeo und Julia auf dem Dorfe<\/a><\/li><li>Frau Regel Amrain und ihr J\u00fcngster<\/li><li>Die drei gerechten Kammacher<\/li><li>Spiegel, das K\u00e4tzchen<\/li><\/ul><\/li><li>Zwischen Himmel und Erde (1856) &#8211; O. Ludwig<\/li><li>Der Nachsommer (1857) &#8211; Stifter<\/li><li>Die Chronik der Sperlingsgasse (1857) &#8211; Raabe<\/li><li>Die Nibelungen (1861) &#8211; Hebbel<\/li><li>Demetrius (1864) &#8211; Hebbel<\/li><li>Der Hungerpastor (1864) &#8211; Raabe<\/li><li>Zwanzig Balladen (1864) &#8211; C. F. Meyer<\/li><li>Verlorene Handschrift (1864) &#8211; Freytag<\/li><li>Abu Telfan oder Die Heimkehr vom Mondgebirge (1868) &#8211; Raabe<\/li><li>Der Sch\u00fcdderump (1869\/70) &#8211; Raabe<\/li><li>Shakespeare-Studien (1871) &#8211; O. Ludwig<\/li><li>Deutscher Novellenschatz (1871) &#8211; P. Heyse\/ H. Kurz<\/li><li>Meineidbauern (1871) &#8211; Anzengruber<\/li><li>Huttens letzte Tage (1871) &#8211; C. F. Meyer<\/li><li>Die Ahnen (1872) &#8211; Freytag<\/li><li>Ein Bruderzwist in Habsburg (1872) &#8211; Grillparzer<\/li><li>Sieben Legenden (1872) &#8211; Keller<ul><li>Eugenia<\/li><li>Der schlimmheilige Vitalis<\/li><li>Dorotheas Blumenk\u00f6rbchen<\/li><li>Die Jungfrau und der Teufel<\/li><li>Die Jungfrau als Ritter<\/li><li>Die Jungfrau und die Nonne<\/li><li>Das Tanzlegendchen<\/li><\/ul><\/li><li>Das Amulett (1873) &#8211; C. F. Meyer<\/li><li>Die Leute von Seldwyla (zweiter Band, 1874)<ul><li>Kleider machen Leute<\/li><li>Der Schmied seines Gl\u00fcckes<\/li><li>Die mi\u00dfbrauchten Liebesbriefe<\/li><li>Dietegen<\/li><li>Das verlorne Lachen<\/li><\/ul><\/li><li>Georg Jenatsch (1874) &#8211; C. F. Meyer<\/li><li>Zum wilden Mann (1874) &#8211; Raabe<\/li><li>Pole Poppensp\u00e4ler (1874) &#8211; Storm<\/li><li>Gedichte (1875) &#8211; Fontane<\/li><li>Z\u00fcricher Novellen (1876-78) &#8211; Keller<\/li><li>Aquis submersus (1877) &#8211; Storm<\/li><li>Vor dem Sturm (1878) &#8211; Fontane<\/li><li>Der Heilige (1880) &#8211; C. F. Meyer<\/li><li>Gedichte (1882) &#8211; C. F. Meyer<\/li><li>Cecile (1886) &#8211; Fontane<\/li><li>Irrungen, Wirrungen (1887) &#8211; Fontane<\/li><li>Das Gemeindekind (1887) &#8211; Ebner-Eschenbach<\/li><li>Der Schimmelreiter (1888) &#8211; Storm<\/li><li>Stine (1890) &#8211; Fontane<\/li><li>Stopfkuchen (1891) &#8211; Raabe<\/li><li>Frau Jenny Treibel (1892) &#8211; Fontane<\/li><li>Effi Briest (1895) &#8211; Fontane<\/li><li>Akten des Vogelsangs (1896) &#8211; Raabe<\/li><li>Der Stechlin (1898) &#8211; Fontane<\/li><\/ul>\n\n\n\n<h2 class=\"has-black-color has-text-color wp-block-heading\">Zusammenfassung<\/h2>\n\n\n\n<h3 class=\"has-black-color has-text-color wp-block-heading\">Inhaltliche Merkmale<\/h3>\n\n\n\n<ul class=\"has-black-color has-text-color wp-block-list\"><li>Stoffe aus der Wirklichkeit<\/li><li>distanzierte, mitunter k\u00fcnstlerische Umwandlung der Wirklichkeit durch humorvolle Betrachtung und Metaphorik<\/li><li>Thema: Beziehung des einzelnen Menschen zur Gesellschaft<\/li><li>Mensch in Kausalkette schicksalhafter Faktoren<\/li><\/ul>\n\n\n\n<h3 class=\"has-black-color has-text-color wp-block-heading\">Hauptvertreter und Werke<\/h3>\n\n\n\n<ul class=\"has-black-color has-text-color wp-block-list\"><li>Theodor Fontane (1819-1898): <em>Effi Briest, Unwiederbringlich, Mathilde M\u00f6hring<\/em><\/li><li>Theodor Storm (1817-1888): <em>Der Schimmelreiter, Posthuma<\/em><\/li><li>Conrad Ferdinand Meyer (1825-1898): <em>Das Amulett<\/em><\/li><li>Friedrich Hebbel (1813-1863): <em>Agnes Bernauer<\/em><\/li><li>Gottfried Keller (1819-1890): <em>Kleider machen Leute<\/em><\/li><li>Adalbert Stifter (1805-1868): <em>Bergkristall, Abdias<\/em><\/li><\/ul>\n\n\n\n<h3 class=\"has-black-color has-text-color wp-block-heading\">Formale Merkmale<\/h3>\n\n\n\n<ul class=\"has-black-color has-text-color wp-block-list\"><li>(Gesellschafts-)Roman<\/li><li>Novelle<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p class=\"has-black-color has-text-color\">Solltest du Fragen zum Thema haben, schreibe sie gerne in die Kommentare. Wir werden diese schnellstm\u00f6glich beantworten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Realismus ist abgeleitet von lat. res &#8211; Ding, Sache, Wirklichkeit. Der Realismusbegriff ist \u00e4u\u00dferst vielschichtig und mehrdeutig. 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